Ron Anderson‘s PAK ist auch
auf
Secret Curve (TZ
8079) ganz PAK, aber
zugleich Extra-PAK. Nicht
wegen der Gäste, das ist bei
PAK normal. Seit 2007
besteht das Kerntrio neben
dem Teufelsdrummer Keith
Abrams aus Tim Byrnes an
Trompete, Horn & Keyboards,
Anderson selbst spielt nicht
seine Molecules- &
Ronruins-notorische Gitarre,
sondern Bass. Unverändert
ist das PAK-typische Tempo,
die flipprige Agilität, die
treibenden Ostinatos, die
ständigen Takt- und
Tempowechsel. Die artrockige
Geige, schon mehrfach die
von Carla Kihlstedt, bekommt
diesmal in den Händen von
Tom Swafford in drei Szenen
eine Haupt-rolle. Die
Stakkatos von ‚Caffeine
Static Rendezvous‘ hämmert
Anthony Coleman. Den
gallopierenden ‚No
Future‘-Drive facht Stefan
Zeniuk als Multireedbläser
mit an. Swafford macht den
Jerry Goodman für ‚Caro-Kann‘,
das furios rattert, bevor
die Trompete balkaneske
Schritte vortanzt, die Geige
zieht türkische Honigfäden,
der Bass schlägt Kronk Kronk
Kronk, die Geige quietscht
in den höchsten Tönen. Dann
ein kollektiver
Zwischengallop, bevor Bass,
Drums und Geige sich einen
Schaukampf mit
Tapemanipulationen von
Jérôme Noetinger und
Clusterschlägen von Eve
Risser liefern. Die
Pianistin kommt bei ‚Secret
Curve‘ ausgiebiger ins
Spiel, mit Glockenpings und
Prankenhieben gibt sie
Latinbeats einen besonderen
Kick, die Trompete legt sich
in halbem Tempo gegen den
Strich. Und tut danach als
‚Mama‘s Little Anarchist‘
so, als könnte sie kein
Wässerchen trüben. Noetinger
kreiselt bei ‚E4 or D4‘
lange auf der Stelle, erst
Abrams findet als Lösung -
einen anderen Loop. Risser
lässt wieder bei ‚Trebuchet‘
die Finger fliegen, für
harte Stakkatos und zackige
Rhythmik, die Trompete
presst sich mit Nachdruck
dazwischen. ‚Blinding Light‘
geigt und schrillt mit sich
selbst um die Wette, das
Tempo ist ronruinös. ‚Kempelen‘s
Automaton‘, eine weitere
Ausformung des Schachmotivs,
das schon mit der
Caro-Kann-Verteidigung
anklang, lässt zuletzt
trompeten- und
saxophonmelodiös
durchblicken, dass in dieser
verblüffenden, scheinbaren
Automatik ein quicker
menschlicher Geist steckt.
Anderson stimmt ein
orientalisches Motiv an, das
flotte Finale ist aber
wieder latinesk. Andersons
fraktalisiert die
musikalische Welt in
heidenspaßigen Cut-up-Schnitten,
schüttelt kaleidoskopische
Überraschungen wie aus dem
Ärmel. Dabei ist noch das
rasanteste Getümmel genau
choreographiert.
So kommt Tzadiks Composer
Series ganz avantrockig ins
Rotieren.