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Bad Alchemy Magazine - number 69
http://www.badalchemy.de

Ron Anderson‘s PAK ist auch auf Secret Curve (TZ 8079) ganz PAK, aber zugleich Extra-PAK. Nicht wegen der Gäste, das ist bei PAK normal. Seit 2007 
besteht das Kerntrio neben dem Teufelsdrummer Keith Abrams aus Tim Byrnes an Trompete, Horn & Keyboards, Anderson selbst spielt nicht seine Molecules- & Ronruins-notorische Gitarre, sondern Bass. Unverändert ist das PAK-typische Tempo, die flipprige Agilität, die treibenden Ostinatos, die ständigen Takt- und Tempowechsel. Die artrockige Geige, schon mehrfach die von Carla Kihlstedt, bekommt diesmal in den Händen von Tom Swafford in drei Szenen eine Haupt-rolle. Die Stakkatos von ‚Caffeine Static Rendezvous‘ hämmert Anthony Coleman. Den gallopierenden ‚No Future‘-Drive facht Stefan Zeniuk als Multireedbläser mit an. Swafford macht den Jerry Goodman für ‚Caro-Kann‘, das furios rattert, bevor die Trompete balkaneske Schritte vortanzt, die Geige zieht türkische Honigfäden, der Bass schlägt Kronk Kronk Kronk, die Geige quietscht in den höchsten Tönen. Dann ein kollektiver Zwischengallop, bevor Bass, Drums und Geige sich einen Schaukampf mit Tapemanipulationen von Jérôme Noetinger und Clusterschlägen von Eve Risser liefern. Die Pianistin kommt bei ‚Secret Curve‘ ausgiebiger ins Spiel, mit Glockenpings und Prankenhieben gibt sie Latinbeats einen besonderen Kick, die Trompete legt sich in halbem Tempo gegen den Strich. Und tut danach als ‚Mama‘s Little Anarchist‘ so, als könnte sie kein Wässerchen trüben. Noetinger kreiselt bei ‚E4 or D4‘ lange auf der Stelle, erst Abrams findet als Lösung - einen anderen Loop. Risser lässt wieder bei ‚Trebuchet‘ die Finger fliegen, für harte Stakkatos und zackige Rhythmik, die Trompete presst sich mit Nachdruck dazwischen. ‚Blinding Light‘ geigt und schrillt mit sich selbst um die Wette, das Tempo ist ronruinös. ‚Kempelen‘s Automaton‘, eine weitere Ausformung des Schachmotivs, das schon mit der Caro-Kann-Verteidigung anklang, lässt zuletzt trompeten- und saxophonmelodiös durchblicken, dass in dieser verblüffenden, scheinbaren Automatik ein quicker menschlicher Geist steckt. Anderson stimmt ein orientalisches Motiv an, das flotte Finale ist aber wieder latinesk. Andersons fraktalisiert die musikalische Welt in heidenspaßigen Cut-up-Schnitten, schüttelt kaleidoskopische Überraschungen wie aus dem Ärmel. Dabei ist noch das rasanteste Getümmel genau choreographiert. 
So kommt Tzadiks Composer Series ganz avantrockig ins Rotieren.
[BA 69 rbd]

 

 

 

                                                         

                                   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


                                                                                
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