molecules reviewed in Bad Alchemy 57

  
                   PAK and Molecules review in Bad Alchemy 57
                                               
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RA SOUNDS (Brooklyn, NY)

Der PAK-Release Motel (Ra007) ist zwar von 2005, aber was Ron Anderson macht, ist auf unabsehbare Zeit brandaktuell. PAK ist Andersons Avant-Ding neben The Molecules (-> BA 56). Der Unterschied ist allerdingsso gravierend nicht. PAK sind rasant, einige beschrieben ihre Frenesie als Minutemen on speed oder als die Stammzellen, mit denen Lightning Bolt experimentiert. Jesse Krakow am Bass und Keith Abrams an den Drums verursachen ein einziges Blitzgewitter. Dabei entpuppt sich Krakow als der Krakow von Fast ‘n‘ Bulbous UND von Time of Orchids (und als großer Fan von Half Japanese) und Abrams als ehemaliger ToO-Drummer. Zusammen mit Anderson inszenieren sie den Kurzschluss von Zappa, Speedcore und James Chance. Wo der funky und lasziv sein konnte, sind sie - überschallschnell und so virtuos, wie man es eher von überdrehten Japanern kennt. Mit Ross Bonadonna, Tim Byrnes und Stephen Gauci funken tatsächlich auch schnittige Bläser mit, ‚Heatwave‘ kommt dennoch nicht ‚tropical‘ daher, sondern mit Beefheart‘esker Gitarre. Überhaupt zeigt Anderson sich als Übergitarrist, was er bei The Molecules noch überixxxt. Speziell ‚Every Body Likes You‘ bietet eine Demonstration, die Wichsgriffel erblassen (und Joe Baiza grinsen) lässt. Doch muss man sich, auch wenn einem von den ersten Rasereien noch die Zähne klappern, peu à peu umjustieren. Denn nach den manischen Mr. Hyde-Eskapaden zu Beginn zeigt PAK mit ‚Zugzwang‘, das mit tinkelnden Pianos aufwartet, und erst recht dem Accelerando-Monster ‚Bienvenue a L‘Hotel Plastique‘ mit seinen Bläserstakkati, das sich unterwegs drei- bis viermal runderneuert und dennoch nichts an Zielstrebigkeit einbüßt und entsprechend cool landet, eine unvermutete Dr. Jekyll-Seite. Der Umschwung kommt mit ‚The Higher The Elevation The Lesser The Vegetation‘ und seinem prachtvollen Wechselspiel zwischen der Gitarre und der furiosen Gorillageige von Carla Kihlstedt, Unisono und im Reißverschlusszickzack. Da leuchten die Augen eingedenk alter SST-Herrlichkeiten (Alternatives, Blind Idiot God, Gone, Universal Congress Of, Zoogz Rift). Amazing Eggheads, die wie Rotz von der Wand spritzen.

Noch weiter in die Vergangenheit, allerdings eine, bei der die Gegenwart Mühe hat, nicht ins Hintertreffen zu geraten, führt Friends (Ra008, CD + DVD). Man hört zwar die aktuelle Besetzung von THE MOLECULES mit John Shiurba am Bass, neben Thomas Scandura an den Drums und Ron Anderson, jedoch 1997/98. Aber da gab es schon ‚What, Why? Oh Yeah‘ und ‚Let‘s Dance‘, Fetzer, die 2007 immer noch prototypisch für das Blitzschach des Trios stehen, dessen ‚Beat Me‘-Attitüde wohl begründet ist. Ist da jemand rotziger, ratzfatziger? Selbst wenn, dann müsste man sagen: Wie The Molecules, nur noch superlativer. Anderson & Friends sind ein Maßstab. Nicht simpel für Hochdruckavantpunk, bei dem Klangmoleküle chaotisch und panisch durcheinander rasen. Jede Explosion ist ausgetüftelt wie ein Fischli-Weiss‘sches Perpetuum Mobile, nur statt wie in Zeitlupe in Zeitraffer, halsüberkopf, mad-movie-manisch. Stakkatohafter Schreigesang, holterdipoltriges Zickzack über krumme Taktfolgen, ruckzuck getrommelt und von den Basssaiten gehackt, dazu Hyperspeed-Gitarrensoli mit abrupten Wechseln zwischen schnell und schneller, Panzerbebop, Fraktalexzess. Und plötzlich beginnt dazu noch die Geige von Carla Kihlstedt zu schrillen und fordert Anderson zu etwas, das einem Martial-Art-Duell ähnlicher ist als jedem denkbaren Tanz. Die 29 Tracks, die meist auf 1-2 Minuten sich ein Flipperfreispiel ums andere erpunkten, machen Zuhören zum Extremsport. Das Feuerwerk überraschender Wendungen hinterlässt einen erschöpft, aber wie nach einem unentschiedenen Match mit einem anerkennenden Grinsen. Für die, die es gesehen haben müssen, um es zu glauben, gibt es den mit Cut-ups von 99 Hooker gespickten Videobeweis mit Live-Exzessen von 1990-97. Hinter Andersons pockennarbiger Visage steckt ein messerscharfer konstruktivistischer und politisch fordernder Verstand. Die Minutemen-Vergleiche kommen nicht von Ungefähr. Seine Gitarre killt jede Illusion, dass drei Akkorde ein Optimum darstellen, selbst wenn er ein Solo auf nur noch einer Saite beenden muss. Die Frühphase war chaotisch, experimentiergeil, Chris Millner (1990-94) ein Tom-Hanks-Typ, mit dem Talent zum Ausrasten; Ryo danach (1994-95) ein theatralischer Kalmücke, die Molecules mutierten zu Grand Skunk Railroad; der hypervirtuose Shiurba (1996 ff) mit seinem vollständig emanzipierten Bass bringt das Paradox fertig, Avant-Metal- Kung-Fu, Jazzzcore und Postpunk zu Ratz ‘n‘ Roll zu verschmelzen, der so do-or-die-mäßig fetzt wie Indie in seinen besten Tagen

 -Rigo Dittmann

 

 

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